Fabrik Life Cycle Management

Im Gegensatz zu der kurzen Lebensdauer von schnelllebigen Konsumgütern (zwölf Monate bis fünf Jahre) steht die Lebensdauer von Gebäuden und Einrichtungen von mehr als 30 Jahren. Maschinen werden zehn bis 15 Jahre lang genutzt. Fabrikeinrichtungen leben also weit länger als die mit ihnen hergestellten Produkte.
 
Deshalb müssen Fabriken zukünftig so konstruiert werden, dass eine schnelle Anpassung an eine veränderte Nutzung möglich ist. Eine Fabrik muss als ein neuer und komplexer Produkttyp mit langer Lebensdauer betrachtet werden, der auch ständigen Veränderungsanforderungen unterliegt, genannt "Factory Life Cycle". Jede Fabrik hat einen Lebenslauf über verschiedene Phasen hinweg: Investitionsplanung, Engineering, Prozessplanung, Konstruktion und Anlauf, Produktion, Service und Wartung, Nutzungsänderung, Demontage und Entsorgung. Die entstehende Fabrik muss Ansätze wie das gleichzeitige Fabrikdesign ("Concurrent Factory Design") und gleichzeitiges Engineering ("Simultaneous Engineering"), umfassen, um die Prozessplanung, die Produktentwicklung und Strategien für neue Produktionstechnologien miteinander zu verbinden.
 
Ziel ist es, die Fabrikinvestitionsplanung und das Fabrik-Engineering mit der Produktplanung und -entwicklung zu koppeln.
 
Die Daten, die in der Produktionsphase gesammelt werden, bilden zukünftig eine wertvolle Informationsquelle für die kontinuierliche Umplanung und Anpassung der Fabrik. Aus den Daten des Echtbetriebs und der vorhandenen Historie können bereits vorhersehbare Änderungen schon in der Planungsphase mitbedacht werden. Die Prognosesicherheit in Bezug auf die in den ersten Lebensphasen gemachten strategischen Investitionen und die dadurch realisierten Wirtschaftlichkeitspotenziale in der Betriebs-, Service-, Wartungs-, Nutzungsänderungs- und Entsorgungsphase nimmt langfristig beachtlich zu.
 
FabrikLifeCycle.jpg
Bild: Zusammenspiel von Produkt-Life-Cycle und Fabrik-Life-Cycle

Durch dieses nachhaltige Life-Cycle-Management kann die Fabrik in jeder Phase auf erforderliche Anpassungen wirtschaftlich reagieren. Sie besitzt wandlungsfähige Fabrikstrukturen über den gesamten Lebenslauf hinweg und bleibt wettbewerbsfähig. Dies ist die Grundlage für neue Geschäftsmodelle weg vom "reinen Maschinenhersteller" hin zum "Lieferanten für ganzheitliche System- und Wissensunterstützung der Produktion". Die Basis für ein nachhaltiges Fabrik-Life-Cycle-Management bilden die Werkzeuge und Methoden des digitalen Engineering.
 
Das digitale Engineering als der Befähiger des "advanced Industrial Engineering" zielt darauf ab, die Planung und Umsetzung von Produktneuanläufen sowie die im laufenden Betrieb erforderlichen Adaptionen schneller, besser und preiswerter als bisher umzusetzen.