Life Cycle Controlling

Vom Life Cycle Costing zum Life Cycle Controlling

Das Life Cycle Costing (LCC) ist eine etablierte Methode des Produktlebenslaufmanagements bei der Kosten und Erlöse über den gesamten Lebenslauf eines Produktes gerechnet werden, um Einsparpotentiale aufzudecken. Für Hersteller dient das LCC dazu, eine über den Lebenslauf betrachtete, kostenoptimale Anlagennutzung zu gewährleisten und Ansatzpunkte für Prozessoptimierungen bereit zu stellen. Häufig reicht es jedoch nicht aus, nur eine einzelne Anlage zu betrachten. Die Rahmenbedingungen der Produktion sind entscheidend. Am IFF wurde von Herrn Jörg Niemann mit dem Life Cycle Controlling ein innovativer Ansatz entwickelt, der durch eine ganzheitliche Betrachtung des Produktionssystems, zu einem grundsätzlichen Verständnis der System-zusammenhänge gelangt. Der Produktbegriff wird im Life Cycle Controlling also auf das gesamte Produktionssystem ausgeweitet. Ziel ist es eine, Produktion zu ermöglichen, die auch bei dynamischen Kapazitätsanforderungen immer am idealen Betriebspunkt arbeitet. Auf dieser Basis können mithilfe des Reglerwerkzeuges Life Cycle Controlling Optimierungsmöglichkeiten erkannt und durch gezieltes Eingreifen genutzt werden.
 
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Bild: Vom Life Cycle Costing zum Life Cycle Controlling

Grundlage des Ansatzes bildet die Erkenntnis, dass Verbesserungen an einzelnen Maschinen bzw. Fertigungssegmenten nicht immer eine Kostenreduktion über die gesamte Prozesskette zur Folge haben. So können z.B. Lagerkosten entstehen, wenn die direkte Weiterverarbeitung der nun (z.B. mit geringeren Rüstzeiten) schneller produzierten Werkstücke nicht gewährleistet ist. Durch die Systembetrachtung können so Engpässe identifiziert und entschärft werden, aber auch gezielt alternative Verbesserungsszenarien hinsichtlich ihrer Wirkung auf das Gesamtsystem evaluiert werden. Um zu einer kontinuierlichen, idealen Systemauslastung zu gelangen, muss eine stückkosten-optimale Systemkonfiguration definiert werden, die sämtliche Teilprozesse umfasst. Ziel ist es durch das Reglerwerkzeug den optimalen Betriebspunkt auch unter dynamischen Produktionsbedingungen schnell zu planen und umzusetzen. Dies erfordert aufgrund der Systemkomplexität den Einsatz von Simulationswerkzeugen. 

LCControlling_Datenueberwachung.jpgFür die Simulation werden, als Eingangsgrößen, die Plandaten (Arbeitsvorbereitung) der gesamten Maschinen und Anlagen des Produktionssystems erhoben. Die Datenerfassung kann mit gängigen Planungswerkzeugen wie PPS und ERP erfolgen. Die Simulation zeigt dabei auf, an welchen Stellen im System der Ressourceneinsatz optimiert werden kann. Auf Basis dieser Daten wird der Sollwert für das Gesamtsystem definiert. Dieser Sollwert wird nun kontinuierlich mit der realen Systemleistung des laufenden Betriebs und seiner System-auslastung verglichen. Etwaige Soll-Ist-Abweich-ungen liefern dabei Hinweise auf Verbesserungs-maßnahmen. Der Regelkreis wird geschlossen, indem die Daten der realen Produktion als Plan-ungsgrundlage für die Vorkalkulation in die Sim-ulation zurückfließen. 

Das Life Cycle Controlling ermöglicht also nicht nur eine kontinuierliche Überprüfung sondern auch eine kontinuierliche Verbesserung des Produktionssystems. Im Rahmen einer lebenslaufbezogenen Optimierung können durch das Reglerwerkzeug auch alternative Fertigungsszenarien und potentielle Systemveränderungen z.B. Upgrades an Maschinen in ihren wirtschaftlichen Auswirkungen getestet und bewertet werden. Das Regelwerkzeug wurde bereits in der industriellen Praxis validiert. Es zeigte sich, dass durch den Einsatz der Methodik Unternehmen in die Lage versetzt werden, wesentlich steilere Lernkurven zu erzielen, als dies bisher mit den klassischen Methoden der Fall war.

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Bild: Der Regelkreis des Life Cycle Controlling

Ein kontinuierliches Life Cycle Controlling des Produktionssystems führt also zur Ausschöpfung sämtlicher, möglicher Rationalisierungspotentiale für die gegenwärtige und zukünftige Fertigung. Im Gegensatz zu den bisherigen Methoden, die bestimmte Einzelprozesse verbessert haben, erzielt das Life Cycle Controlling eine Kumulation von Einsparpotentialen über die Optimierung sämtlicher Teilprozesse, sowie die Nutzung der daraus resultierenden Synergieeffekte. Ergänzt um die kontinuierliche Validierung der Planung mithilfe der Simulation, ermöglicht das Life Cycle Controlling ein „Lernen aus der Zukunft“ und damit eine nachhaltig wirtschaftliche Produktion.