Product Life Cycle Management soll Unternehmen ermöglichen, technische Produkte und Anlagen über ihren gesamten Lebenslauf zu managen, um sowohl neue Wertschöpfungspotentiale zu erschließen als auch negative Umweltwirkungen von Produkten zu minimieren. Eine nachhaltige, ressourceneffiziente Produktion ist allein vor dem Hintergrund ständig wachsender Energie- und Rohstoffkosten eine betriebswirtschaftliche Pflicht. Zudem sind Hersteller auch für die Zeit nach dem Verkauf in der Verantwortung für ihr Produkt belassen. Vor diesem Hintergrund garantiert ein ganzheitlicher Ansatz bei der Produktgestaltung, dass über den gesamten Lebenslauf das Optimum bei Kosten und Nutzen erzielt wird. Ein solcher Ansatz bezieht schon in die Planungsphase die speziellen Anforderungen aller Lebenslaufphasen -Herstellung, Nutzung und Recycling- mit ein und beachtet insbesondere ihre gegenseitigen, phasenübergreifenden Abhängigkeiten.

Bild: Nutzensteigerung durch PLM
In der Herstellungsphase werden sämtliche Produkteigenschaften festgelegt. Aus diesem Grund ist eine sorgfältige Planung notwendig, die die Anforderungen in der Nutzungs- und Recyclingphase berücksichtigt.
Für die Nutzungsphase typische anfallende Kosten sind Rüst-, Instandhaltung-, und Ausfallkosten. Diese können deutlich reduziert werden, wenn eine leichte Zugänglichkeit bzw. Auswechselbarkeit von Komponenten schon bei der Konstruktion berücksichtig wurde. Im Idealfall kann bei einem modularen Aufbau das betreffende Modul einfach ausgewechselt werden, so dass das Produkt in kürzester Zeit wieder einsatzbereit ist. Diese Eigenschaft ist für Kunden auch vor dem Hintergrund zunehmender Produktvarianten interessant. So können mit einer entsprechend ausgestatteten Maschine variantenreiche Produkte mit geringen Losgrößen lediglich zu leicht erhöhten Rüstkosten gefertigt werden. Ein modularer Aufbau bietet zudem ideale Möglichkeiten für das sog. Upgrading, das Aufrüsten bzw. Modernisieren von Maschinen durch neue Komponenten ohne, dass die gesamte Maschine ausgetauscht werden muss. Eine Konstruktion, die eine leichte Demontage erlaubt, ist auch für das Recycling wichtig. Die Option einer schonenden und schnellen Zerlegung erlaubt die kostengünstige Weiterverwendung einzelner Komponenten oder des Grundrohstoffes und spart zudem Energiekosten ein. Optimiert wird die Konstruktion durch Anwendung moderner IT-Technologien hin zu einer dynamisch vernetzten Produktentwicklung. Durch Überwachung der Nutzungsphase der Vorgängermodelle können Fehler bei einer neuen Produktgeneration von vornherein ausgeschlossen werden, oder bei den im Markt befindlichen Einheiten behoben werden.
Nutzungsphase

Die Nutzungsphase ist der Zeitraum, in dem das Produkt seinen Zweck erfüllen und dem Kunden maximalen Nutzen bringen soll. Es ist aber auch der Zeitraum in dem die meisten Kosten anfallen. Um ein Optimum bei der Nutzensteigerung und Kostenreduktion zu erzielen müssen Hersteller und Kunde in der Nutzungsphase zusammenarbeiten.
Denn nicht immer sind alle Produktoptionen bekannt. Dies führt häufig dazu, dass nicht alle Möglichkeiten zur Wertsteigerung voll genutzt werden. Im schlimmsten Fall entstehen durch Bedienungsfehler sogar Reparaturkosten. Solche negativen Effekte lassen sich vermeiden, indem der Hersteller zum Systemdienstleister wird. Der Hersteller bietet dem Kunden also eine optimierte Nutzung im Bezug auf seine Anwendung an. Dies kann ergänzt werden durch Zusatzleistungen oder Produktupdates. Besonders flexibel sind die Teleservices, bei denen sich der Hersteller mit dem Produkt verbinden und z.B. eine neuere Softwareversion aufspielen kann. Diese Dienste haben auch eine erhebliche Bedeutung für das Störungsmanagement. Eine regelmäßige, informationstechnologische Überwachung eines Produktes kann bei Wartung und Reparatur erhebliche Kosten einsparen. Gleichzeitig erhält der Hersteller Information über die Performanz seines Produktes und kann diese wieder in den Konstruktionsprozess einfließen lassen.
Die Zusammenarbeit von Hersteller und Nutzer führt zu einer Win-Win-Situation. Beide sind an der langen Lebensdauer und maximalen, technischen und wirtschaftlichen Ausnutzung des Produktes interessiert. Schon jetzt werden im After-Sales Bereich höhere Gewinne erzielt als im reinen Produktverkauf und nur hier lässt sich eine langfristige Kundenbindung erreichen.

Bild: Der Hersteller als Systembetreiber
Nachdem die Nutzungsphase eines Produktes beendet ist, kann es verschrottet bzw. recycelt werden oder es erhält ein Upgrade. Ziel eines Upgrades ist es, ein Produkt so zu modernisieren, dass es verbesserte, erweiterte oder neue Funktionsmerkmale besitzt. Dabei müssen am Produkt Veränderungen in der Hard- und Software vorgenommen werden. Vorrausetzung dafür ist eine Produktkonstruktion, die die leichte Zugänglichkeit und Austauschbarkeit von einzelnen Modulen ermöglicht. Dazu gehört auch eine strikte Beachtung der Kompatibilität der Schnittstellen. Das modifizierte Produkt tritt dann wiederum in eine neue Nutzungsphase ein.
Nicht immer sind Upgrades möglich oder wirtschaftlich sinnvoll. Zur Schließung des Produktlebenskreislaufs greifen dann die Technologien des Recyclings wie Zerlegen, Aufbereiten und Verwerten. Manche Produkte müssen jedoch verschrottet werden, dies erfolgt durch Entsorgungstechnologien wie z.B. Schreddern. Auch hier gilt, je leichter die einzelnen Komponenten voneinander zu trennen sind, desto eher können Rohstoffe isoliert und desto besser können Einsparpotentiale bei Energie- und Rohstoffkosten genutzt werden.